ETHIKUNTERRICHT ALS PFLICHTFACH FÜR ALLE?


Seit Jahren wird darüber heftig diskutiert – bisher ohne wirklich akzeptiertes Ergebnis. Die ”Salzburger Nachrichten” (SN) haben sich des Themas nun wieder angenommen – pro und kontra. 

 

Kontra: er soll nur für jene gelten, die ”keinen staatlich geförderten Religionsunterricht besuchen” und zwar soll als ”Ersatz für eine zunehmende Orientierungslosigkeit” im Pflichtfach Ethikunterricht ein ”objektiver Überblick über die verschiedenen Religionen” vermittelt werden.

So Prof. Dr. Wilhelm Pölzl, der ehemalige Salzburger SPÖ-Politiker, Lehrer und Vizepräsident des Landesschulrates Salzburg, in seinem SN-Leserbrief  am 7. Dezember 2018.


Eine Woche vorher, am 30. November 2018, hatte ebenfalls in einem SN-Leserbrief, Prof. Mag. Norbert Schier, Lehrer in Feldkirch, für einen unabhängig vom Religionsunterricht verpflichtenden Ethikunterricht plädiert:


”Sehr geehrter Herr Bundesminister Faßmann!

Ich unterrichte seit sechs Jahren das Fach Ethik und trete für ein verpflichtendes Fach Ethik für alle Schüler ein. Warum? …

Bis 2017 sank der Katholikenanteil auf 57,9 Prozent. Im Schulbereich ist dieser Prozentsatz aufgrund der starken Immigration heute noch wesentlich geringer. Fazit: Der katholische Religionsunterricht ist zu einem Minderheiten-programm geworden, auch weil sich sehr viele Schüler ohnehin davon abmelden.

Der Staat hat sich verpflichtet, den Religionsunterricht aller anerkannten Glaubensgemeinschaften zu organisieren und vor allem zu finanzieren. Und davon gibt es inzwischen 16 Stück! An meiner Schule z.B. Katholiken, Protestanten, Muslime, Alewiten, Zeugen Jevohas. Dies wird organisatorisch zunehmend aufwendiger und teurer. Religion ist Privatsache. Frage: Warum muss der Staat den Bürgern (vor allem den Zuwanderern) deren Privatinteressen finanzieren? Noch dazu, da viele gerade erst aus den Fängen religiöser Fanatiker, wie etwa Islamisten in Syrien und Afghanistan geflohen sind.

Österreich ist um Integration bemüht. Ein gemeinsamer Ethikunterricht kann die österreichischen Werte vermitteln und wirkt verbindend. Die Aufteilung in Religionsgruppen mit unterschiedlichen religiösen Doktrinen und widersprüch-lichen Heilslehren spaltet die Gemeinschaft. …  Ich hoffe, dass Sie, lieber Herr Faßmann, mithelfen, den Ethikunterricht, der sich als Schulversuch seit 1997 sehr bewährt hat, in den Regelunterricht aufzunehmen – möglichst für alle.”


Wir Freidenker schließen uns dieser Hoffnung vollinhaltlich an.